Regenteich anlegen: Dachwasser in einen naturnahen Teich leiten

Regenwasser vom Dach in einen naturnahen Teich leiten: Standort, Überlauf, Folienmaß, Pflanzen und was du vorher mit deiner Gemeinde klären solltest.

Schwierigkeit: Fortgeschritten · Dauer: 2–3 Tage

Material

  • ca. 5,2 × 4,2 m EPDM- oder PVC-Teichfolie, 1 mm (für 3 × 2 m, 60 cm tief)
  • ca. 5,2 × 4,2 m Teichschutzvlies, mind. 300 g/m²
  • ca. 0,3 m³ Bausand
  • 1 Regensammler (Fallrohrfilter)
  • je nach Entfernung KG-Rohr DN 100 oder HT-Rohr DN 50 mit Bögen
  • ca. 0,3 m³ Kies 16–32 mm für die Sickermulde
  • nach Bedarf Flusskies und flache Steine für Ufer und Zulauf
  • ca. 100 L Teichsubstrat, nährstoffarm
  • 10–15 Stück Wasser- und Uferpflanzen
  • – Werkzeug: Spaten, Schaufel, Schubkarre, Richtlatte, Wasserwaage, Cutter

Schritte

  1. Bei der Gemeinde klären, ob das Abkoppeln des Fallrohrs angezeigt werden muss.
  2. Teichform mit Sand oder einem Seil auslegen, mindestens 3 m vom Haus. Zulauf und Überlaufrichtung (vom Haus weg) festlegen.
  3. In Stufen ausheben: Flachwasser 10–20 cm, Pflanzstufe 30–40 cm, tiefste Stelle 60–80 cm, mindestens ein Ufer flach auslaufend.
  4. Den Rand mit Richtlatte und Wasserwaage nivellieren – er muss rundum auf einer Höhe liegen, sonst liegt die Folie später frei.
  5. Steine und Wurzeln entfernen, 5 cm Sand einbringen, Schutzvlies auslegen.
  6. Folie faltenarm einlegen, mit etwas Wasser beschweren und in die Form ziehen lassen. Den Rand noch nicht abschneiden.
  7. Rohrgraben vom Fallrohr zum Teich mit etwa 2 % Gefälle ausheben, Regensammler montieren, Rohr verlegen, Mündung unter Steinen verstecken.
  8. An der Wasserlinie eine flache Überlaufkerbe anlegen, einen Graben zur Sickermulde ziehen und die Mulde (ca. 60 × 60 × 60 cm) mit Kies füllen.
  9. Folienränder mit Substrat, Kies und Steinen abdecken, Überstand auf etwa 30 cm kürzen und senkrecht hinter die Randsteine stellen.
  10. Pflanzen einsetzen – und auf den nächsten Regen warten.

Ein Regenteich wird nicht mit dem Gartenschlauch gefüllt, sondern über ein Fallrohr direkt vom Dach. Das hat gleich mehrere Vorteile: Regenwasser ist weich und nährstoffarm – genau das, was ein Teich braucht, damit Algen keine Chance haben. Bei Starkregen puffert er Wasser, das sonst in die Kanalisation schießt. Und er wird schnell zum Lebensraum für Libellen, Molche, Wasserläufer und durstige Vögel.

Erst rechnen: Wie viel Wasser kommt vom Dach?

Pro Millimeter Regen liefert jeder Quadratmeter Dachfläche einen Liter Wasser. Eine Dachfläche von 50 m² bringt bei einem normalen Landregen von 10 mm also 500 Liter – bei einem Sommergewitter mit 30 mm schon 1.500 Liter.

Ein Teich von 3 × 2 m mit 60 cm an der tiefsten Stelle fasst grob 1,5–2 m³. Er ist nach einem einzigen kräftigen Regen voll. Deshalb ist der Überlauf der wichtigste Teil der Planung, nicht die Teichform.

Standort und Überlauf

Abstand zum Haus: mindestens 3 m zu Kellerwänden und Fundamenten, damit überlaufendes Wasser nicht am Haus versickert.

Licht: vier bis sechs Stunden Sonne am Tag. Unter großen Bäumen füllt sich der Teich jeden Herbst mit Laub.

Überlauf: An der geplanten Wasserlinie bekommt der Rand eine flache Kerbe. Von dort läuft das Wasser in eine Sickermulde – ein mit Kies gefülltes Loch – oder in ein angrenzendes Sumpfbeet. Das Gelände sollte vom Haus weg abfallen.

Dachmaterial: Wasser von Kupferdächern oder Kupferrinnen ist für Teichtiere giftig. Ziegel-, Beton- und Schieferdächer sind unproblematisch. Neue Zinkrinnen geben anfangs etwas Zink ab – das Wasser der ersten Wochen dann besser noch in den Kanal leiten.

Vorher klären: Wer ein Fallrohr vom Kanal abkoppelt, muss das in vielen Gemeinden anzeigen. Oft lohnt es sich sogar: Bei gesplitteter Abwassergebühr sinkt die Niederschlagswassergebühr für die abgekoppelte Fläche. Ein kurzer Anruf bei der Gemeinde vor dem Bau erspart Ärger.

Teichfolie, Vlies, Rohre und Pflanzen am vorgesehenen Standort

Form und Tiefe

Ein naturnaher Teich braucht vor allem flache Ufer. Plane einen breiten Flachwasserbereich mit 10–20 cm Tiefe, eine Pflanzstufe bei etwa 30–40 cm und eine tiefste Stelle von 60–80 cm, damit der Teich in normalen Wintern nicht bis zum Grund durchfriert. Mindestens eine Uferseite sollte so flach auslaufen – etwa im Verhältnis 1 : 3 –, dass Igel und junge Frösche wieder herauskommen.

Fische gehören nicht in einen Regenteich: Sie fressen Laich und Larven, und mit dem Futter kommen genau die Nährstoffe hinein, die du vermeiden willst.

Ausgehobene Mulde mit flach auslaufendem Rand

Die Folie richtig berechnen

Die Folie muss die Tiefe zweimal überbrücken und am Rand überstehen:

Folienlänge = Teichlänge + 2 × tiefste Stelle + 2 × 50 cm Folienbreite = Teichbreite + 2 × tiefste Stelle + 2 × 50 cm

Für 3 × 2 m und 60 cm Tiefe also 5,2 × 4,2 m. EPDM-Folie (etwa 1 mm) ist teurer, bleibt aber jahrzehntelang elastisch und lässt sich gut reparieren. PVC-Folie mit mindestens 1 mm ist günstiger. Darunter kommen 5 cm Sand und ein Schutzvlies mit mindestens 300 g/m², denn Steine und Wurzeln sind die häufigste Ursache für Löcher.

Schutzvlies wird in die Mulde gelegt

Die Teichfolie wird in die Mulde gelegt

Zulauf

Ein Regensammler – ein Filter, der ins Fallrohr gesetzt wird – fängt Laub ab und leitet das Wasser in ein Rohr, das unterirdisch zum Teich führt. Die Mündung versteckst du unter flachen Steinen; das bremst auch die Strömung bei Starkregen.

Zulaufrohr, versteckt zwischen Steinen am Teichrand

Rand und Bepflanzung

Die Folienränder deckst du mit Kies, Steinen und Substrat ab – nie mit nährstoffreicher Gartenerde. Den überstehenden Rand stellst du senkrecht hinter die Randsteine, damit der umliegende Boden kein Wasser heraussaugen kann.

Folienrand wird mit Kies und Steinen abgedeckt

Die Pflanzen kommen in Kies oder nährstoffarmes Teichsubstrat:

  • Unter Wasser (Sauerstoffpflanzen): Raues Hornblatt, Ähriges Tausendblatt, Wasserstern
  • Flachwasser: Froschlöffel, Pfeilkraut, Sumpfvergissmeinnicht
  • Ufer und Sumpfzone: Sumpfdotterblume, Blutweiderich, Wasserminze, Sumpf-Schwertlilie

Rechne im ersten Sommer mit grünem Wasser. Sobald die Pflanzen eingewachsen sind, klärt sich der Teich meist von selbst.

Bepflanzter Rand des Regenteichs

Tipps

  • Keine Gartenerde in den Teich: Sie bringt Nährstoffe und damit Algen.
  • Im ersten Sommer kein Leitungswasser nachfüllen – lieber einen niedrigeren Wasserstand hinnehmen.
  • Im Herbst ein Laubnetz spannen oder das Laub regelmäßig abkeschern.
  • Bei Frost das Eis nicht aufschlagen; ein paar stehen gelassene Schilfhalme reichen für den Gasaustausch.

Alle Gartenprojekte